Gremien

Warum gibt es Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat

Nicht allein der Pfarrer bestimmt die Geschicke einer Gemeinde. Über Pfarrgemeinderat (PGR) und Kirchenvorstand (KV) tragen Laien und Hauptamtliche die Verantwortung gemeinsam. Mehr zu Zielen und Aufgaben der beiden wichtigsten Gemeindegremien finden Sie im Folgenden:

Was soll eigentlich ein Pfarrgemeinderat (PGR)?

Der PGR hat einen guten Grund: Die Kirche als das von Gott berufene Volk wird geprägt durch unterschiedliche Ämter und Dienste, die alle gemeinsam dazu beitragen sollen, das Evangelium zu verkünden und die Liebe Gottes in der Welt zu bezeugen. Bei aller Verschiedenheit der jeweiligen Dienste – dies betont das II. Vatikanische Konzil ausdrücklich – besteht deshalb eine Einheit der Sendung aller Glieder des Gottesvolkes. Diese gemeinsame Verantwortung aller Christen für die Sendung der Kirche wollte das II. Vatikanum auch institutionell zum Ausdruck bringen.

Was heißt „institutionell“ zum Ausdruck bringen?

Das Konzil hat angeregt, in Diözesen und Pfarreien beratende Gremien einzurichten, die die apostolische Tätigkeit der Kirche im Bereich der Evangelisierung und Heiligung, im caritativen und sozialen Bereich und in anderen Bereichen bei entsprechender Zusammenarbeit von Klerikern und Ordensleuten mit den Laien unterstützen. Die Arbeit der verschiedenen Laien-Räte, die heute in der Kirche (mit-)wirken, hat hier ihre Grundlage und Legitimation.

Was heißt hier „Laie“?

Laie bedeutet nicht „Nicht-Fachmann“ oder „ungebildet“, sondern leitet sich vom griechischen „laos“ (= „Volk“) ab und meint die Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Das II. Vatikanische Konzil verabschiedete sich von der alten Teilung der Kirche in einen Klerus, der bestimmt, und die Laien, die gehorsam folgen. Auf der Grundlage des Leitbildes von Kirche als Volk Gottes wird die enge Zusammen­gehörig­keit aller Getauften und Gefirmten betont. Die Kirche wird als eine Gemeinschaft verstanden, die von allen ihren Gliedern getragen wird und an deren Sendung alle auf je eigene Weise mitwirken.

Welche konkreten Aufgaben hat ein PGR?

Der PGR dient dem Aufbau einer lebendigen Pfarrgemeinde und ist der Verkündigung der Botschaft, der Feier des Glaubens und dem Dienst am Nächsten verpflichtet – damit hat er gewissermaßen eine Schlüsselfunktion im Leben der Gemeinde: Er soll nicht nur den Pfarrer beraten, sondern auch pastorale Richtlinien für die Gemeindearbeit entwickeln, zur Haushaltsvorlage des Kirchenvorstandes Stellung nehmen, die Arbeit der Organisationen und Gruppen fördern und aufeinander abstimmen, die Durchführung gemeinsamer Aufgaben beschließen und erforderliche Einrichtungen schaffen, den Bischof vor der Neubesetzung der Pfarrstelle über die örtliche Situation unterrichten und die Anliegen der Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit vertreten.

Was macht im Gegensatz zum PGR der Kirchenvorstand?

Der Kirchenvorstand (KV) ist das für die Verwaltung des Vermögens und für die rechtsgeschäftliche Vertretung der Kirchengemeinde zuständige Organ. Wichtige Aufgaben sind also: Feststellung des Haushaltsplanes, Prüfung und Feststellung der Jahresrechnung sowie Führung des Vermögens­verzeichnisses.

Welches sind die rechtlichen Grundlagen für den KV?

Grundlage für die Bildung eines Kirchenvorstandes ist das Gesetz über die Verwaltung katholischen Kirchenvermögens vom 24.7.1924. In diesem sind außerdem die vom Kirchenvorstand in seiner Arbeit zu beachtenden Regelungen enthalten.

Warum gibt es eigentlich Kirchenvorstände?

Sie sind im kirchlichen Gesetzbuch (Codex Iuris Canonici = CIC) vorgeschrieben. Während der CIC jedoch vorsieht, dass der Pfarrer der alleinige Vertreter der Pfarrei in rechtlichen Angelegenheiten ist, gibt es in Deutschland aufgrund staatskirchenrechtlicher Gegebenheiten einer Sondersituation. Deren Ursprung liegt im Kulturkampf 1875 zwischen der katholischen Kirche und dem preußischen Staat zwischen 1873 und 1875. Preußen erließ ein Gesetz, dass die kirchliche Vermögensverwaltung unter Staatsaufsicht stellte – nicht der Pfarrer allein sollte über die Verwendung kirchlichen Geldes bestimmen, sondern ein Kirchenvorstand. 1924 wurde dieses Gesetz verändert. Für NRW ist dies das Gesetz über die Verwaltung katholischen Kirchenvermögens.

Geht es denn beim KV nur um Geld und Sachwerte?

Das breite Spektrum der im Kirchenvorstand zu behandelnden Angelegenheiten wird deutlich bei der Frage, worin das Vermögen einer Kirchengemeinde besteht: Viele Gemeinden sind Träger von Kinder­gärten, Altenheimen oder sozialen Projekten, die für ihre Einrichtung finanzielle Mittel benötigen, deren Gebäude erhalten oder modernisiert werden müssen. Solche Mittel müssen zugeteilt, über bauliche Maßnahmen Beschlüsse gefasst werden. Viele Gemeinden sind im Besitz von Grundstücken und Gebäuden, sie unterhalten beispielsweise Altenwohnungen. Auch hier ergeben sich Verwaltungsaufgaben, müssen Verträge geschlossen und rechtliche Vorgaben berücksichtigt werden.

Ist der KV gewissermaßen der Arbeitgeber in einer Pfarrgemeinde?

Der Kirchenvorstand ist formal auch Arbeitgeber in einer Pfarrei – und das bezieht sich nicht nur auf Sekretärinnen, Küster, Hausmeister, Kirchenmusiker, sondern auch auf Ehrenamtliche. Zwar bekommen Ehrenamtliche keine Entlohnung, aber der Kirchenvorstand hat ihnen gegenüber die gleichen Sorgfaltspflichten wie bei hauptamtlich Angestellten. So will es beispielsweise das Arbeits­schutz­gesetz. Denn eine Kirchengemeinde gilt arbeits- und sozialrechtlich als Unternehmen und die Kirchengemeinde wird durch den KV vertreten.

Wie arbeiten PGR und KV zusammen?

PGR und KV sind förmlich zu Zusammenarbeit gezwungen: Der Rahmen einer solchen Zusammen­arbeit ist in der Verordnung über die Kooperation von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand der Pfarreien im Bistum Essen, die nach dem 23.9.2006 neu errichtet werden in der Fassung vom 14.9.2006 abgesteckt. Denn die finanzielle (KV) und die inhaltliche (PGR) Arbeit an der Sache Jesu können nicht unabhängig voneinander erfolgen. Rechtliche Dimension und pastorales Handeln gehören untrennbar zusammen. Deswegen werden in der „Zusammenarbeitsverordnung“ dem PGR auch Mitsprachemöglichkeiten an Entscheidungen des KV eingeräumt sowie die gegenseitige Information sichergestellt.

Dokumente zum Thema Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand: